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PROJEKT KAOKOLAND e.V. Rundbrief Nr.1/2012


(Rundbrief Nr.2/2012 folgt unten)

Liebe Freunde und Helfer!

Um es gleich vorweg zu nehmen: Auch 2012 geht es wieder ein gut Stück weiter.

  1. Dank Euer aller Hilfe konnten wir am Waisenhaus weiterbauen und die dazu notwendigen Materialien/ Geld für Benzin, um Wasser, Steine und Sand zu holen / Nachkauf „verdunsteter“ Fenster und Dachplatten / diverse Entgelte u. andere bei einem Bau anfallenden Kosten begleichen.
    • DAS DACH IST DRAUF ( geplant waren nur Küche u Speiseraum je 64qm)
    • DIE WÄNDE SIND ALLE VERPUTZT ( geplant waren nur 2 Räume/ jetzt sind es 6)
    • DIE FUSSBÖDEN SIND GEGOSSEN (geplant waren ebenfalls nur Küche u Speiseraum/ jetzt sind es 4 fertige Räume: Küche u Speiseraum á 64qm u zwei Räume á 32qm)
  2. Türen u Fenster stehen bereit bzw. sind bereits eingebaut/ Schlösser leider gestohlen, Sicherheitsschlösser, die leider wieder passend gemacht werden müssen, nachgekauft.
  3. Der Volontär ist eine tägliche Freude für die Kinder, für die Nachbarn und auch für mich.
  4. Am Ende des Briefes folgt KEIN Pferdefuß.

Doch der Reihe nach:
Als Reaktion auf unseren letzten, sehr ehrlichen u somit vollständigen Bericht/ Rundbrief gingen einige Sofort-Hilfe-Spenden ein, mit denen wir erst einmal das Schlimmste verhindern konnten: Bezahlung der workpermits/ Bezahlung überfälliger permits für die Autos ( die beiden Kamele sind keine echte Alternative) / Reparatur eines Generators – wobei auch der zweite ab und an hustet. Damit waren erst einmal die notwendigen Voraussetzungen wieder geregelt und die Fortführung gesichert.

Aufgrund der Spenden am Jahresende war es uns zu Weihnachten möglich, nicht nur alle unsere „Listenkinder “ zu beschenken, sondern auch die Nachbarskinder, die sonst manchmal daneben stehen und sich fragen „warum nicht auch wir?“ So waren es diesmal mehr als 60 Kinder, die wir mit einem Geschenk beglücken konnten. Als Festtagsbraten wurde ein fetter Ziegenbock gegrillt, von dem sogar noch etwas übrigblieb für die Arbeiter.

Silvester haben wir dann mit den Arbeitern gefeiert – ein Zeichen dafür, daß DAMALS die Situation zufriedenstellend war. Das sieht leider heute schon wieder anders aus – Schwamm drüber.

Den Kindern geht es momentan ausgezeichnet. Sie werden in JEDER Hinsicht betreut u gefördert. Für jeden Nachmittag macht Julia „Programm“: Basteln, Zeichnen, Spiele, Sport, Gespräche ( sie hat binnen weniger Wochen so weit Otjiherero gelernt, daß sie sich mit den Kindern u Erwachsenen verständigen kann!!!), Deutsch/Grundkenntnisse, manchmal auch Videovorführungen mit bis zu 50 Kindern. Sie ist begeistert von ihrer Aufgabe und die Kinder ebenfalls. Einmal pro Woche besucht sie den Unterricht der 7.Klasse. So bekommen wir auch einen Einblick in das schulische Geschehen, den Lehrplan, die Unterrichtsführung, welche Lehrmittel die Kinder zur Verfügung haben etc. Eine abschließende Bewertung aus unserer Sicht haben wir noch nicht.

Die Zusammenarbeit mit dem Ministry of Gender and ChildWelfare ist auch wesentlich intensiviert, sofern das Büro besetzt ist. Zunächst stellten wir fest, daß die Kinder in den Haushalten von Okanguati seit Jahren nicht besucht worden sind. Das haben wir jetzt in Angriff genommen.
2007 und 2009 hatten wir lediglich die „Listenkinder“ besucht und die Lebensumstände in Augenschein genommen. In diesem Jahr macht Julia als Sozialpädagoge dies zusammen mit dem Ministerium im gesamten Dorf, denn die Essensliste muß neu erstellt werden. Nach 5 Jahren Kinderküche sind einige bereits „erwachsen“ geworden (das erste „Kind“ ist vor ein paar Tagen selbst schon Mutter geworden) oder aus Okanguati in andere Regionen umgesiedelt. So kann auch das Ministerium gleich seine Akten in Ordnung bringen.

In diesem Zusammenhang gehen wir in diesem Jahr auch erstmalig eine langfristig bindende Verpflichtung ein: Für zunächst zwei Kinder haben wir die Finanzierung des Schulgeldes bzw. die Unterbringung im Hostel übernommen – zwei weitere stehen auf der Liste, wobei es noch klärender Gespräche bzgl. einer (Wieder)Aufnahme im laufenden Schuljahr bedarf. Zu dieser gesamten Problematik werde ich mich später noch einmal äußern – es gibt viele Fragen unsererseits. Die Kosten für ein Kind bewegen sich mit Schulkleidung/Schulbedarf/Hygieneartikeln etc. zwischen 2500 u 3000 N$ pro Jahr.

Da hier alles ein täglicher Kampf ist und man immer mit allem rechnen muß, ging natürlich auch der Bau nicht reibungslos voran. Zunächst hatte das Dorf wochen- bzw. monatelang wieder einmal kein Wasser, obgleich vor ca. 2 Jahren (trotz der von der südafrikanischen Armee hinterlassenen first-class-Bohrlöcher entlang des Flusses) mit hohen (aber unnötigen) Kosten von möglicherweise 3 MioN$ zwei NEUE Bohrlöcher gebohrt wurden. Da wahrscheinlich mit einer überdimensionalen (ferngesteuerten!) Pumpe zu viel Wasser/pro Zeiteinheit gezogen wurde, fiel das Bohrloch, das nicht bis unten verrohrt ist, folgerichtig in sich zusammen und die Pumpen stecken jetzt im Sand fest. „Ups....“ Resultat: Das alte, Diesel-, und Ölverseuchte Bohrloch wurde reaktiviert. Und nun sollen nochmals 3 ( in Worten : d r e i ) neue Löcher gebohrt werden. (4,5 Mio N$?) und dann elektrifiziert (nochmal ein bißchen Geld). Am liebsten würde man ja unseres nutzen, denn wir haben sowieso den Platz mit dem besten Wasser.....logo

Aber auch wir blieben von Pumpenproblemen nicht verschont: Alle drei Pumpen (Solarpumpe = Isolation für Motor defekt / älteste Wasserpumpe für Generatorbetrieb = auch Wasser im Motor / NEUE ERSATZPUMPE = isoliertes Kabel von Mäusen zerfressen u irreparabel) waren nicht mehr funktionstüchtig. So hieß die Parole „neue Pumpe muß her“.Ausgerechnet in den 10 Tagen, die wir zu überbrücken hatten, regnete es zum Glück ab und an, so daß wir Regenwasser zum Kochen und Waschen hatten und für die Bewässerung mit Hilfe einer Söffelpumpe unseren Zauberbrunnen nutzen konnten, der das nötige Quantum Grundwasser unerschöpflich lieferte.

Für den Bau mußten wir (auch in dieser Zeit) das gesamte Wasser in Fässern von hier zur Baustelle transportieren. Doch das ist noch nicht alles: Kurz nachdem der Dachbau (!) beendet war u einige Wände verputzt, teilte der Bauleiter uns mit, d.h. Andreas, daß der Zement „alle“ sei. 250 Sack!!! Nach dem Versuch, das zu ergründen, ergab sich, daß sich das Kunene-Regional-Office mit der gefälschten (?) Unterschrift des Bauleiters aus dem Ministry of Agriculture, wo der Zement hinter einem hohen Zaun mit zwei securities gelagert war, an unserem Zement bedient hat. Sie sagen „geborgt“. Das gab nun richtigen Ärger. Fünfzehn-Sack-weise brachten sie nach heftigen Auseinandersetzungen die Säcke mit dem Büroauto aus Opuwo zum Bauplatz (es fehlten ca. 150 Säcke). Bis heute sind nicht alle komplett „zurückgegeben“. Mit der Endabrechnung gibt es wahrscheinlich bei allen Beteiligten gewisse Meinungsverschiedenheiten.

Nachdem wir nun ein GUTES STÜCK vorangekommen sind, können wir auch über die nächste Phase nachdenken und Wasserzu- und –abfluß, Sanitär u Strom in Angriff nehmen. Das sind nur drei Wörter, aber auch die haben es in sich. Die Installation von 2 x 2 Duschen, 2 x 2 Toiletten, 2 x 2 Handwaschbecken, das Fliesen sowie die Küchenausstattung käme dann als nächstes an die Reihe. Wobei alles vorher irgendwo gekauft und irgendwie transportiert werden muß. Und dann sind noch mehrere hundert Quadratmeter zu streichen. Ein Problem macht uns allerdings der ewige Diebstahl, der sich von Deutschland (alle 4 min. ein Einbruch) nicht unterscheidet. Wir hätten nur gern, daß das Spendenaufkommen nicht unter der einheimischen Bevölkerung verteilt , sondern im Waisenhaus angelegt wird. So wäre es wohl am zweckmäßigsten, das Gelände zunächst zu umzäunen. Dann fehlt „nur noch“ die Einrichtung, das Mobiliar.
Und die Kinder.
Und Mitstreiter.

In dem Zusammenhang rückt auch die Personalfrage immer näher. Seit Anbeginn suchen wir motivierte und engagierte Mitstreiter, die nicht mit unrealistischen Traumvorstellungen und Sozialromantik „mal Afrika machen wollen“, sondern mit Realitätssinn den zu lösenden Aufgaben nüchtern ins Auge schauen. Das Leben hier ist nicht einfach oder bequem. Es bedarf sehr viel Selbstdisziplin, klarer Normen und Einstellungen, Verzicht an allen Ecken – es ist eine tägliche Herausforderung in dieser archaischen Welt, die leider zumeist mit den negativen Aspekten der Zivilisation, wie Konsum, Unterhaltung, Kriminalität ( Geflügelmisere ist ja bekannt) konfrontiert wird. Auf der anderen Seite bietet sich hier eine neue Weite und Freiheit im Denken und Tun, die mancher in Deutschland sicher vermißt oder nicht realisieren bzw. ausleben kann, weil man von früh bis spät beschäftigt wird mit unsinnigen Informationen , Ablenkungen oder Forderungen. Wenn man genügend innere Kraft und ein gewisses Geschick hat, können hier Visionen auf den steinigen Weg gebracht oder sogar wahr werden. Selbstredend natürlich immer im Sinne unseres Statutes zum mittelbaren oder unmittelbaren Nutzen der Heranwachsenden bzw. der Einheimischen, konform mit den Vereinszielen.

So bieten wir motivierten, engagierten und fähigen Weltverbesserern die Möglichkeit der ehrenamtlichen Mitarbeit in den Bereichen:

Die Modalitäten für den Einsatz werden jeweils ganz individuell geregelt. Für Volontäre: siehe website.

Noch ein paar Worte zum Klima in den letzten Monaten: Über dem Kaokofeld lag von September bis jetzt eine z.T. große Hitzeglocke. Die Temperaturen bewegten sich fast ohne Unterbrechung tags zwischen 30 und 40° Celsius.

Der Regenfall war äußerst dürftig und die Folgen sind, wie 2011, noch nicht absehbar. 2012 waren es insgesamt nur 174 mm in unserem Gebiet, das entspricht der Hälfte der durchschnittichen Regenmenge von 350mm und einem Viertel vom Vorjahresniederschlag. So mußten wir bis jetzt täglich 2 mal wässern und dennoch war beim Gemüse das Meiste nicht zu retten bei einem Klima wie im Wäschetrockner. Kohl u Tomaten waren verloren u die meisten Kräuter vertrocknet. Allerdings konnten wir unerwartet eimerweise Paprika ernten, sehr viele Auberginen von bis zu 1kg, Guaven täglich ½ - 1 Eimer, auch Mandarinen und jetzt nach der 7.Aussaat ein paar Bohnen. Stolz sind wir auf die ersten 25 Mangofrüchte aus einem Kern gezüchtet. Diesmal hat es also leider nicht zur Vollversorgung der Küche gereicht und wir mußten Kohl, Möhren, Kürbisse u.a. regelmäßig dazukaufen. Noch immer suche ich nach einem guten Rat, um den Insektenbefall bei Kürbissen, Melonen, Zucchini u Gurken verhindern zu können.

Schlußendlich möchten wir allen aus vollem Herzen danken, daß wir nun auf ein Haus schauen können, daß seiner Vollendung entgegensieht. Allen lieben Spendern, Veranstaltern, dem Gymnasium, dem Dorf, der Gemeinde, der Institution, dem T-Shirt-Träger (Aufdruck : www.kaokoland.de), allen Freunden, Förderern u Helfern, die sich so phantasiereich oder selbstlos engagiert haben, gilt unser Dank!!! Bedanken möchten wir uns auch für die Briefe und Post, die uns immer wieder Mut zusprechen und die uns helfen, nach vorn zu schauen, wenn wir wieder einmal enttäuscht, ratlos oder einfach nur müde sind. Seid alle lieb gegrüßt und umarmt!

Eure Gisela und Andreas

P.S. Nach vielem Hin und Her, Bastelversuchen und echten Pannen ist unsere website zunächst einmal vom Text her aktuell. Sobald es die Zeit erlaubt, werden auch die fehlenden Bilder geliefert und vielleicht alles noch ein bißchen gehübscht. und Mitte des Jahres werde ich wohl die 50.000ste Mahlzeit gekocht haben

Spendenkonto: Projekt Kaokoland e.V.
Kontonummer: 1279174000
Bankleitzahl: 10090000
Berliner Volksbank
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Projekt Kaokoland e.V., Rundbrief 2-2012

Liebe Mitglieder, Freunde und Unterstützer!

Zunächst ist es mir vor allem ein Bedürfnis, uns bei allen Freunden und Helfern sehr, sehr herzlich zu bedanken, die uns in diesem Jahr eine kontinuierliche und angstfreie Arbeit ermöglicht haben. Wir haben mehr geschafft als wir uns vorgenommen haben - aber das Wichtigste ist, an jedem Jahresende feststellen zu können: Wir sind noch hier und können weitermachen.

Die Suppenküche steht vor ihrer Vollendung. Im September hatten wir die seltene Möglichkeit, zusammen nach Windhoek fahren und die Küchenmöbel in Auftrag geben zu können. In 4 bis 6 Wochen sollten sie fertig sein. Jetzt, nach 10 Wochen erhielt ich per email die Nachricht, daß die Seitenbretter in der Farbe ausgewählten nicht vorrätig seien. Ich gab eine Alternative an – hat er nicht. Ich stellte die Farben total um – hat er auch nicht. Auf Anfrage, was er denn habe, sollte ich in der Farbskala seines SA Lieferanten nachschauen. Das ist aber bei unserer Übertragungsrate nicht möglich. Nächster Versuch – Freund in Windhoek. Auch er konnte die Farbskala nicht einsehen• Nächster Versuch – unser Freund setzt sich nochmal mit der Werkstatt zusammen und berät ganz neu. Wenn diese relativ einfache Frage dann gelöst ist, kommt das Transportproblem auf uns zu.

Im September ist allerdings relativ problemlos Strom in das Haus verlegt worden. Am 12.11. wollte der Elektriker kommen und anhand unserer Wünsche bzgl. Lampen u Steckdosen einen Kostenvoranschlag unterbreiten – ist aber nicht.

Mit einem Wasseranschluß wird es wohl vorläufig nichts werden, denn nachdem das (neue Millionen-) Bohrloch mit Dynamit gesprengt wurde, um (vergeblicher Versuch) die Pumpen aus dem Zusammenbruch zu retten, sollen nun 15 km flussabwärts 3 neue Bohrlöcher, noch teurer, noch größer, noch besser, gebohrt werden. Bis dahin werden Jaaahhhre vergehen! So werden wir wohl einen 5000-Liter-Tank aufstellen müssen, den wir dann wöchentlich beliefern, d.h. mit einem ebensolchen gefüllten Tank von hier zum Waisenhaus fahren, um mit Generator und Pumpe das Faß nachzufüllen.

Für den Januar haben wir uns vorgenommen, den Rest des Geländes einzuzäunen, nachdem wir erst einmal die Rennstrecke zur Klinik unterbrochen haben, weil viele ihre roten Grafitties an der schönen, verlockenden weißen Wand hinterlassen haben. Momentan arbeiten drei Mann daran, die Gräben für die Fundamente und die eisernen, hohen Zaunspfähle auszuheben. Auch die Türen u Fenster müssen mit Sandpapier mühsam vom Putz gereinigt werden, damit die Fensterscheiben eingesetzt und dann auch die Rahmen gestrichen werden können.

Der Anstrich des Gebäudes und der 4 Innenräume erwies sich für uns wieder einmal als Zerreißprobe aller Nerven, denn von Tag zu Tag wurden der Elan und die Sorgfalt schlechter bis zu dem Moment, daß wir die Arbeit stoppen MUßTEN. So bleibt wieder einmal keine andere Wahl, als daß Andreas die Küche nochmal selbst streicht. Wie heißt es doch? Man muß ihnen eine Chance geben• Details möchte ich gar nicht erwähnen, weil das ein Mitteleuropäer sowieso nicht glaubt.

Auch der Volontär hat im Laufe der Zeit durch viele Erlebnisse und den sehr engen Kontakt zu den Kindern, Eltern, zu den Lehrern und Büroangestellten neue Erkenntnisse gewonnen. „Mit ins Boot nehmen“ - „Verständnis für Zusammenhänge wecken“ – das sind Floskeln , die sich mit der Realität nicht decken.

Julias Arbeit mit den Kindern war beispielhaft. Nachdem sie in den ersten Monaten die Sprache erlernt hat, konnte sie bei den Besuchen ALLER Familien im Dorf die Sorgen und Nöte, aber auch die Ungenauigkeiten in den Angaben durch Befragung selbst klären. Einigen Müttern konnte sie helfen; die Formulare für die Antragstellung des staatlichen Kindergeldes für sozial Schwache (grand) ordentlich auszufüllen und an das Ministerium zu leiten.

Abweichend von den staatlichen Normen für Bedürftigkeit haben wir für den Standard auch den Besitz von Vieh angerechnet, da Milch, Fleisch und Erlös bei Verkauf auch als Einnahme resp. Verdienst gewertet werden muß.

So haben wir einvernehmlich eine eigene Liste bedürftiger Kinder zusammengestellt, die sich nicht mit dem Min.of Gender, Equality and Childwelfare-office deckt, welches die Einwohner und ihre Lebensverhältnisse zwar oberflächlicg kennen, aber relativ pauschal bewerten, ohne einzelne spezielle Umstände zu berücksichtigen. Nachdem Ursachen und Zusammenhänge geklärt waren, wurden verschiedene Kinder umgeschult und für zunächst 7 Kinder das Schul-u Hostelkosten übernommen. Ebenfalls die Kosten für Schul-u. Hygienebedarf. Gebunden ist die weitere Unterstützung an gute Lernergebnisse, d.h. erstes Drittel der Klasse. Alle Kinder hatten dies im zweiten term erreicht und wir haben sogar einen Klassenbesten. Siehe Einschätzung der Kinder durch Julia (Anlage).

Diese Einschätzungen sind hervorgegangen aus der täglichen Beschäftigung mit den Kindern – Aktivitäten in verschiedenen Altersgruppen. Die Kinder haben dies mit großer Begeisterung angenommen und es zeigte sich, daß etliche doch sehr lerninteressiert sind oder gute manuelle Fähigkeiten haben. Diese Kinder werden wir weiter fördern und drei weiteren den Schulbesuch ab 2013 finanzieren.

Auch die Essensliste können wir den gegebenen Umständen anpassen, so daß Kinder, die nicht (mehr) kommen durch andere, die schon lange mit versorgt werden, dann in die Liste aufgenommen werden können. Wir bleiben zunächst bei 50 berechtigten Kindern. Wie und ob wir die Anzahl dann in der zentraler gelegenen Verpflegungsstelle dann erweitern, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Natürlich auch von den zur Verfügung stehenden Mitteln, denn noch sind große Summen in das Waisenhaus zu investieren, die man nicht gleich als so immens wahrnimmt, aber bei der notwenigen Kalkulation dann doch erheblich sind – schon allein Möbel und Lampen, auch der notwendige Zaun etc. Die Zahl der gekochten Mahlzeiten hat sich bis Dezember auf mehr als 55.000 erhöht. Es gibt täglich frisches Gemüse sowie je nach Legefreudigkeit unseres Federviehs ein-bis zweimal in der Woche Ei als Beigabe. Einmal pro Woche bekommen die Kinder B-Vitamine - an Opuntien und Maracuja bedienen sie sich in der Erntezeit selbst.

Die Erfolge des Gemüseanbaues waren mit denen des letzten Jahres nicht vergleichbar. Aufgrund der geringen Niederschläge (120mm, aber 360mm ist der normale Durchschnitt) ist der Boden viele Meter tief ausgetrocknet und wir müssen täglich mit 4 – 5 Personen je 4 Stunden wässern, um den Bestand wenigstens zu erhalten. Glücklicherweise fördert die Solarpumpe den Großteil des benötigten Wassers. Die Dorfbewohner holen nach wie vor täglich Unmengen Trinkwasser von uns, denn noch immer ist kein Ersatz für die beiden mutwillig mit Dynamit zerstörten Bohrlöcher incl. Pumpen geschaffen worden. Wochenlang waren wir auch dies Jahr wieder damit beschäftigt, die amtlichen ZERSTÖRER von unserem seit 2000 einzig intakten Bohrloch mit sauberem Wasser fernzuhalten. Jedes Jahr werden wir massiv attackiert und der Versuch gemacht, uns einzuschüchtern, um auf die billigste Art unser Bohrloch für die gesamte community zur Verfügung zu stellen (Pumpversuche, Kapazitätsüberprüfungen, Manipulationen), so daß wir gezwungen sind, ständig dieselben Institutionen mit denselben Informationen zu versehen bzw. um teuren rechtsanwaltlichen Beistand zu bitten. Daß viele Millionen in den Sand gesetzt wurden, dafür hat sich keiner zu verantworten.

Zum Glück funktionierte unser Laptop zu dem Zeitpunkt noch! Es hatten sich 4 Tasten gelöst und nachdem wir ihn in Windhoek von der „Reparatur“ abgeholen konnten , war er komplett kaputtrepariert. Die neue englische Tastatur (na das ist ja was! Die angegebenen Zeichen stimmen nicht dem dem überein was erscheint, wenn man die Taste betätigt hat!!!) wackelte und das „n“ ließ sich nicht mehr aus der Reserve locken. Somit war es unmöglich, unser Paßwort einzugeben. Keiner kam auf die Idee, eine externe Tastatur anzuschließen – aber nach Wochen unser Superhirn. So können wir nun die Dateien und alle Bilder auf den Ersatz, der Anfang Oktober dankenswerter Weise aus D. hier abgegeben worden ist, überspielen und wieder bald ordentlich arbeiten.

Gleiche Panne mit der FNB( Bank), was uns auch Wochen in Atem gehalten hat. Völlig unerwartet plötzlich kein Geld aus keinem ATM!!! Was ist los??? Endlose Versuche, dies zu klären. Gespräche mit der Bank in D., die telefonisch nicht sehr kommunikationsfreudig ist. Zumindest war klargestellt – Karte O.K., Konto O.K. LETZTLICH stellte sich heraus, nachdem Andreas alle Automaten in Windhoek abgeklappert und an nur zwei Stellen Geld bekommen hatte, daß lediglich versäumt worden war, einen neuen Sicherheitscode für ausländische Karten überall einzuspielen. So ging es auch vielen Touristen, auch mit VISA. In Opuwo dauerte es nach mehrmaligem vergeblichen Anlauf und Hinweisen an den Bankmanager noch mehrere Wochen, so daß Andreas zum Geld abheben nach Windhoek fahren mußte. Nicht zu glauben.

Problem 3. Die zwei Generatoren (1 Wasser pumpen abends und Nr.2 Strom für Küche u. Waschmaschine), die sich schon lange durch Stottern, Husten u Kollaps bemerkbar gemacht hatten, benötigten Ersatz. Die ersten Umfrageergebnisse hinsichtlich der Kosten waren niederschmetternd. Aber in dem Falle, daß sowieso meist irgendwo „made in China“ mehr oder weniger sichtbar klebt, haben wir dann „dort“ direkt einen akzeptablen Preis aushandeln können. Wenn wir manchmal so stille Phasen haben, dann nicht, weil es uns so sorgenlos gutgeht, sondern weil uns die Frage quält, wie DAS oder JENES nun wieder hier im Abseits zu lösen ist. Kampf den Widerständen!!!

Vieles andere muß ungesagt bleiben, um nicht das Gastrecht zu strapazieren. Wenn wir uns ausheulen wollen oder müssen, dann tun wir das beim Gouverneur, der weiß, wovon wir sprechen. Ein sehr feiner Mensch, wie man ihn selbst in deutschen Behörden und Beamtenstuben sicher selten findet.

Momentan galoppieren wir wieder von Büro zu Büro, um die notwendigen für unsere wieder einmal fällige Verlängerung unserer workpermits zu sammeln. The same procedure as every year....

Auch in einer anderen Angelegenheit strecken wir (langsam) unsere Fühler aus: Besatzung für Kinderküche und Waisenhaus. Wenn man davon ausgeht, daß aus dieser Region kaum jemand ernsthaft arbeiten, aber am Monatsende ein erquickliches Gehalt haben möchte, ist der Ansatz schon mal schwierig. In den 6 Jahren, in denen ich hier koche, hat nicht eines von den Mädels, die im Laufe der Zeit versucht haben zu arbeiten, den Ansatz von Interesse an dieser vielleicht niederen Tätigkeit gezeigt. Und ein unbesetztes Büro, in dem sich jemand, der von Verwaltungsarbeit keine Ahnung hat, sich 8 Std. aufhalten kann, haben wir nicht. Da ist wahrlich guter Rat teuer, denn aus den südlichen Gegenden, südlich von Outjo, hat niemand die geringsten Ambitionen, sich hier anzusiedeln – außer uns, versteht sich. Jeder ist froh, wenn er irgendwo südlich eine Chance bekommt, allein wegen der Infrastruktur. Im Auge haben wir Elisabeth, eine körperbehinderte junge Frau, die z.Zt. als Aushilfslehrer ohne Gehalt 30km von hier im Busch arbeitet – und das mit Rollstuhl. Im Auge haben wir auch Friedrich, ein Herero, der seit 10 Jahren versucht, eine medizinische Ausbildung (Pfleger o.ä.) zu erlangen, aber aufgrund eines Quotensystems immer abgelehnt wurde, dann bei der EU, den UN etc. als Volontär gearbeitet hat und nun aus Verzweiflung ein Fernstudium „Erwachsenenqualifizierung“ grad abschließt. Ein sehr sozialer, kinderlieber Mensch. Und dann ist da noch Franz, ein sog. DDR-Kind, den wir bereits in Windhoek in die Spur gestellt haben, um die Angelegenheiten bzgl. Zulassung, Gemeinnützigkeit etc. vor Ort zu regeln. Bis jetzt war er bereits recht hilfreich.

Beabsichtigt ist, auch in Namibia einen Verein zu gründen, um A) eine Gemeinnützigkeit beantragen zu können, denn unsere Spendenquittungen haben hier keine Gültigkeit, und vielleicht finden sich auch hier Sponsoren für Lebensmittel o.ä., und B) einen hiesigen Träger für das Waisenhaus anbieten zu können, was für die Zulassung m.E. die fundamentale Basis ist.

Anfang des Jahres war der parlamentarische Ausschuß des Ministry of Gender, Equality and Childwelfare zu Gast bei uns, hat sich das Projekt erläutern lassen sowie seine Hilfe für die Zukunft angeboten. Auch den governer haben wir auf unserer Seite.

Angesichts der brütenden Hitze bereits seit Anfang August, was sehr ungewöhnlich ist, denn wir hatten in den Vorjahren zeitweise im September morgens noch 4-10° C, wird die tägliche Arbeit bei den Temperaturen zwischen 35 u. 40° C von Stunde zu Stunde anstrengender. Der trockene Staub zieht permanent über alles hinweg, so daß man als „Hausfrau“ verzweifeln könnte. Die Luft erinnert mich an meine Radfahrzeiten zur Schule nahe dem Zementwerk Rüdersdorf in den Sechziger Jahren. Die kleine Regenzeit bestand bis jetzt aus 2 x 8 mm Niederschlag. So kumuliert die Trockenzeit jetzt zur Dürre, zum zweiten mal, d.h. Futter-, Wasser- u. Nahrungsmittelmangel für Tier und Mensch. ABER das ist z.T. auch homemade: Aus Gier haben die Clans viel zu viele Ziegen, die den wenigen Schafen und sehr vielen Rindern das Gras samt Grasnarbe wegfressen.

Was ja gut gemeint ist, nämlich die Verteilung von Maismehl , Öl, Fischbüchsen, Zucker etc. seitens der Regierung und Antransport von Futtermitteln auf Trucks , muß man aber auch mit einer gewissen Skepsis betrachten. Der umweltzerstörerischen Ziege wird damit damit die Möglichkeit gegeben, sich weiter rattenartig zu vermehren. Und der untätigen Lebensauffassung der Himba, die sich über Morgen u Zukunft nicht den Kopf zerbrechen wollen und müssen, wird damit auch Vorschub geleistet.

Traditionelle Lebensweise mit Auto und Handy zu alimentieren empfinde ich nicht als den richtigen Weg. Sie sitzen hier auf ziemlich endlosen Mengen Wassers und sind seit mehr als 20 Jahren nicht in der Lage, die vorhandenen ca.15 - 20 Bohrlöcher ordnungsgemäß zu öffnen, um kontinuierlich sauberes Trinkwasser zu fördern oder ganz einfachen Gartenbau zu betreiben.

Andererseits steht Anfang November der Direktor der Schule in Omuhonga, ein paar Kilometer von hier, am Tor und bittet um Maismehl für die Kinder. Das Kontingent aus Opuwo ist aufgebraucht (die Kinder leben dort während des Unterrichtszeitraumes im Hostel und werden dort auch verpflegt) und er müsse die Schüler noch bis zum 7.12. mit Essen versorgen. Selbstredend haben wir ihm zunächst 200kg Maismehl für die nächsten Tage übergeben.

Aus dem beigefügten Schreiben und meiner Nachfrage geht nun folgendes hervor: In dieser Schule leben und lernen 78 Kinder. Sie erhalten morgens und abends eine Mahlzeit, die zu 100% aus Maisbrei besteht; je 10kg für 78 Kinder, d.h. 128g Maismehl pro Kind. Kein Gemüse, kein Obst, kein Fleisch, keine Milch. Aus einer Datei „ Gesund schlank werden “ entnahm ich, daß diese Mahlzeit ca. 450 kcal enthält = 900kcal/Tag. Ein Kind zwischen 10 und 14 Jahren benötigt aber 2200 (Mädchen) und 2500 (Jungen) kcal in Form von vollwertiger Kost, was somit noch nicht einmal die Hälfte des notwendigen Bedarfs darstellt. Von dem Mangel an Eiweiß, Fett, Vitaminen, Mineralien u. Spurenelementen ganz zu schweigen.

Dies MUSS zu einer Fehl-u.Mangelernährung führen und dazu, daß sich die Kinder körperlich und intellektuell nicht gut entwickeln können . Diese Basis muß zunächst einmal geschaffen werden. In Kombination mit komplett fehlendem Angebot an Anregungen/Anreizen/Wecken von Interessen und Fähigkeiten etc. Was soll dabei herauskomme??

Was uns aber immer wieder ärgerlich, geradezu zornig macht und auch enttäuscht, ist die dumme Zerstörungswut oder Diebstahl von Dingen, die wir FÜR SIE SELBST oder FÜR IHRE HERANWACHSENDEN bereitstellen. Letztes Beispiel: Der SOUNDSOVIELTE Wasserhahn vor dem Tor, aus dem sie jeder Zeit und kostenlos ihr Trinkwasser entnehmen können, ist wieder mutwillig abgebrochen worden. Er war doppelt verrohrt und einbetoniert und es muß mit einem gewissen hartnäckigen Kraftaufwand geschehen sein.

Deswegen werden wir auch entgegen unseren Planvorstellungen und Wünschen zunächst doch diesen sehr stabilen Zaun um das Waisenhaus errichten. Das ist eine große Ausgabe – aber damit wird alles, was wir im und um das Haus tun nicht von vornherein zur Sinnlosigkeit degradiert. Schon allein das Pflanzen der Bäume ist dann einfacher und sie dienen nicht nur als Ziegenfutter. Auch die Grafitties müssen dann nicht ständig entfernt werden.

Ich muß feststellen, daß das Jahr 2012 ganz besonders schnell vergangen ist. Es liegt wahrscheinlich auch daran, daß ich es so wollte. Nun stehen wir wieder kurz vor der Tür in eine neue Zeitrechnung, die den Menschen Besserung verspricht. Wir fegen die alten Kulturen und Überlieferungen nicht einfach vom Tisch – waren doch viele der Kulturen und Herrscher intelligenter und erfahrener als heutzutage, was sich z.T. in einfältiger Überheblichkeit , Dumpfsinn u. Verantwortungslosigkeit zeigt.

Wir bedanken uns bei Euch allen, die Ihr zu den wenigen sozial Denkenden und Handelnden gehört.

Egal an welchem Platz auf dem Globus versuchen solche Menschen wie Ihr ihren Teil dazu beizutragen, daß die Menschheit nicht verlottert und das verliert, was sie in den wenigen hunderten Jahren an geistigen Schätzen hervorgebracht hat. Das darf nicht alles untergehen in der Flut der Dummheit und der Verantwortungslosigkeit, durch Egozentriker u Nachplapperer.

Wir machen weiter, auch wenn es schwer ist, aber das Leichte ist meist nicht das Lebenswerteste.

Unser großer Dank geht an Euch alle, die Ihr dabei mithelft, hier einen Grundstein zu legen für die so notwendige Bildung und Erziehung der Kinder, von denen wir immer hoffen, daß sie alles einmal besser und vernünftiger machen als die vorigen Generationen. Allerdings mit dem Wissen und den Erkenntnissen der Altvorderen.

Wir werden Weihnachten und Silvester (diesmal nun wirklich nur zu zweit) mit Dankbarkeit an Euch denken. Wir werden auch in Gedanken bei unseren Familien sein, die wir seit 2007 nicht gesehen haben. Wir wünschen Euch und uns ein inhaltsreiches, lebenswertes und gutes Jahr 2013 und vorher ein schönes Weihnachtsfest im Kreise Eurer Lieben. Derer, die nicht mehr unter uns weilen, seien es Freunde oder Familie, werden wir gedenken.

Seid alle ganz herzlich in Gedanken umarmt!

Eure Gisela und Andreas

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