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PROJEKT KAOKOLAND e.V. Rundbrief 2010


Liebe Freunde, Verbündete und Interessenten unseres Vereins „Projekt Kaokoland e.V.“ Berlin

Das Jahr 2010 neigt sich seinem Ende zu und diesmal bin ich nicht traurig darüber - scheint es doch (m)ein verflixtes siebtes Jahr gewesen zu sein, das uns wieder einma l (wie 2005) hart an die Grenze geführt hat.

Es begann mit einem sehr geringen Spendeneingang , so daß wir im März die Gelegenheit, Geologen bei uns bis Ende des Jahres zu beherbergen, gern aufgriffen, zumal sie uns zu Anfang Offerten machten (Decken eines Bungalow-Daches, Warmwasserbereiter für die Duschen etc.etc.). Da sich alles als falsche Versprechung und nur Mittel zum Zweck um unser o.k. zu bekommen herausstellte, war nicht nur die Stimmung sehr getrübt, sondern das ganze Unternehmen entwickelte sich zu einer enormen Belastung, da Andreas seit Ende Mai (latent)/Anfang Juni (akut) erkrankte und die Heilung nach drei Operationen noch immer auf sich warten läßt. Das machte einen wochenlangen Aufenthalt in Windhoek notwendig und seinen Einsatz im Projekt noch immer nicht möglich. Großer Dank gebührt in dieser Sache unserem Freund in Windhoek, der selbstlos Andreas 6 x von/nach Okanguati holte bzw. brachte und ihm Unterkunft und Rundumpflege gewährt hat.

So stand seitdem nur DURCHHALTEN auf dem Programm. Vieles mußte nach „hinten“ verschoben werden, aber zunächst ist jetzt eine Unmenge an Reparaturen zu leisten (verschlissene Zäune, tropfende Wasserleitungen, unwegsam gewordene Wege, provisorische Türen, Reinigungsarbeiten).

Einerseits war es zum Jahresende ziemlich enttäuschend, daß sich für den GanzjahresLandwirtschaftsLehrgang für den Gemüseanbau nicht ein einziger Teilnehmer interessiert hat, aber im Nachhinein betrachtet, hätte ich das allein mit nur zwei Helfern in der gesamten Zeit nicht leisten können. Von Anfang des Jahres an bis September hatten wir die größten Probleme, Helfer aus dem Dorf für das Projekt zu finden.
Das gemeinnützige Denken bzgl. des Waisenhaus-Ausbaues wird ebenfalls auf den Prüfstein gestellt. Zugesagt wurden uns von der Versammlung des regionalen AIDS-Kommittees in Zusammenarbeit mit sämtlichen Institutionen vor Ort freiwillige Helfer aus der nichtarbeitenden Bevölkerung. Das Dachmaterial und die 250 Sack Zement sind nach vielen Problemen Ende Juni vor Ort eingetroffen. Nun scheitert der Beginn am Sand für den Zement, der mit Hilfe des kommunalen Trucks vom Fluß zur Baustelle gefahren werden soll. Die Reparatur des Trucks, aus dessen Motorraum im August eine Stichflamme kam, müßte nun eigentlich erfolgt sein. Aber auch eine motivierende Spende konnte die Helfer bis heute nicht aktivieren. Da die Regenzeit unmittelbar vor der Tür steht, haben wir mit den Helfern im Projekt zunächst ein Dach für den Zement gebaut. Wenn sich allerdings weiterhin gar nichts tut seitens der Kommune, werden wir darüber scharf nachdenken müssen, eine lokale (Opuwo) Baufirma zu beauftragen.

Seit Mitte September (!!!) verfügen wir im Camp über nunmehr 14 teils sehr motivierte alte und neue Mitstreiter; fast alle Ovahimba oder Tjemba. Das entspricht exakt dem Anliegen unserer Satzung. Zwei von ihnen (18 und 25 Jahre) arbeiten so engagiert und ordentlich, daß wir ihnen ab Dezember die Schulausbildung ermöglichen werden, d.h. wir übernehmen die Kosten und finanzieren alles Notwendige in der Hoffnung, daß unsere Kontostände mit Eurer Hilfe dies ohne Not ermöglichen. Auch einem unserer Essenskinder möchten wir den Schulbesuch ermöglichen. Da dies eine Langzeitverpflichtung darstellt, ist es erforderlich, über ca. 10 Jahre das notwendige Geld zur Verfügung zu haben. Da blicke ich wieder hoffnungsfroh in die Zukunft!

Die Kinderküche läuft nach wie vor (bis auf eine kurze Auszeit ) täglich stabil weiter. Mittlerweile verfüge ich sogar über eine exakte Namensliste. Das ist, wie im vorigen Rundbrief erwähnt, nicht auf die Schnelle machbar gewesen. Vier Volontaire haben sich daran vergeblich versucht. Die endgültige Anzahl der berechtigten Kinder beträgt nun nach Zuordnung aller möglichen Namen zur richtigen Person 54 Waisen-,Halbwaisen- und sozial schwache Kinder. Ein Teil-Jung-Lehrer kümmert sich darum, daß vor dem Essen Hände und Gesicht gewaschen werden, was keinesfalls selbstverständlich war, wie der am 15.10. in Namibia zelebrierte hand-washing-day unterstreicht.
Aufgrund der seit September (wie lange wohl – bis zum ersten Regen?) erfreulichen Arbeitskräftesituation können wir endlich auch für die Nutztiere eine längst überfällige neue Ordnung schaffen. Nach dem Diebstahl von ca. 45 Legehennen im Herbst vorigen Jahres und von ca. 30 Enten in diesem Sommer hatten wir unseren Eier-und-Fleisch-Lieferanten notgedrungen erlaubt, alle freien Räume zu belegen, um nicht die letzten Tiere zu verlieren. Durch den Umzug der Tiere in ihr altes Domizil wird viel neuer Platz frei, der neue Ideen und Pläne ermöglicht, z.B. in den vorderen drei Räumen des Küchenhauses eine kleine Galerie einzurichten mit dem Thema „Traditionelles Leben der Ovahimba und die Schwierigkeiten der gegenwärtigen Veränderungen“ . Das wird mir große Freude machen und ich hoffe, die richtigen Partner für die Umsetzung zu finden, z.B. alte Handwerker unter den Himba, Material für die Ausgestaltung und Gesprächspartner, um das Thema auszuschöpfen.

Momentan wird im Duschhaus eine Küche eingerichtet, die Campern zur Verfügung steht. Trotz vieler Hemmnisse (Frost, Hitze, Trockenheit, massenhaft Schädlinge –wobei mir immer der uralte Witz von den 4 Feinden des Sozialismus einfällt: Frühling, Sommer, Herbst und Winter) hat der Garten viel Freude gemacht. In den letzten Tagen konnte ich ca. 20 Granatapfelbäuchen rund um das Gästehaus pflanzen. Die Papaya entwickeln sich prächtig, jetzt beginnt die Tomaten-und Paprikaernte mit täglich einigen Früchten. Wir hatten Radieschen, Schnittlauch, Dill, Petersilie u.a. Kräuter, Romanasalat und Rauke. Die versch. Kohlsorten finden leider allzu viele Freunde, so daß leider nach der Mühe der Anzucht und des Auspflanzens weniger als erhofft oder erwartet geerntet werden kann. Seit langem ist mir wieder einmal Zucchini gelungen, wobei ich festgestellt habe, daß es auf die richtige, für das hiesige Klima und den Boden passende Sorte ankommt. Auch der vierte Versuch Rote Bete, was auch die Kinder hier gern essen, ist nun geglückt. Nun hoffen wir auf eine gute Regenzeit, in der es die Pflanzen dann doch erheblich leichter haben. Bei glücklicher Fügung aller Umstände sind dann drei Ernten möglich (Herbst/Winter, Frühjahr/Sommer, Sommer/Herbst) –aber ist ein ständiger Kampf gegen alle Unbilden dem Boden etwas abzuringen. Um noch mehr auf dem hiesigen Gelände anbauen zu können bevor der ersehnte Traktor endlich in Walfishbay an Land gehen kann, haben wir noch mehr Schattenzelte aufgebaut.

Mit Tjuma (genannt Hamster) arbeitet eine Gruppe an der Errichtung eines neuen Eingangsbereiches zum Gelände, denn das alte Tor verliert langsam seine Funktion und sein provisorischer Charakter hat sich auch überholt. Für das Gästehaus steht ein Warmwasserbereiter anschlußbereit parat und Solarpanele als Energiequelle in den Gästezimmern. Nach der Genesung von Andreas kann dies und mehr installiert werden. Auch die Räume III und IV sollen fertiggestellt werden – wir mußten sie vorübergehend als Lager nutzen.

Bei solchen Gedankengängen stellt sich immer wieder die Frage nach mithelfenden Fachkräften und in jedem Jahr zunehmend die Weiterführung des Projektes, wenn wir zusammen 125 Jahre alt sind, mit/durch überzeugte(n), im gleichen Sinne arbeitende junge Nachfolger . Sehr viel Herzblut und Aufwand (um nicht Geld zu sagen) sind in diese Aufgabe geflossen und wir haben größtes Interesse daran, es nicht dem üblichen Verfall von Entwicklungshilfeprojekten preiszugeben. Es läge uns auch sehr daran, einige Jahre mit ihnen zusammenzuarbeiten und festzustellen, ob sie für diese schwierige Aufgabe geeignet sind. Auch ist es gut, die Verhältnisse vor Ort und im Lande sehr gut kennenzulernen.

Mit dem Neuen Jahr beginnt wieder die Zitterpartie, wie wir uns von einem Monat zum anderen hangeln, zumal das Preisniveau hier dem europäischen nicht mehr nachsteht. Auf dieser Basis ist es sehr schwierig, zielstrebig zu arbeiten, denn zunächst muß das Erreichte instand gehalten werden. Auch PTO´s, Autolizenzen, Pachtkosten, Arbeitserlaubnisse u.v.a. sind ein hoher Kostenfaktor. Noch immer haben wir noch nicht einmal Krankenversicherungen, um die Kosten möglichst niedrig zu halten. Die langwierige Erkrankung von Andreas hat die Rücklage für den E-Fall nun aufgezehrt.

So lautet meine herzliche und sicher nicht unangemessene Bitte an alle Empfänger dieses Briefes, ausgenommen unsere o.g. Freunde und Helfer, sich selbst und andere Menschen zu motivieren, mit 10 € pro Monat unser hiesiges Anliegen zu unterstützen, so daß wir finanziell nicht ganz so klamm wie in der Vergangenheit waren, wo immer alles am seidenen Faden hing. Wenn 300 freundliche Menschen das täten, wäre eine große Sicherheit für den Fortlauf garantiert und man hätte für Vorhaben eine größere Sicherheit, sie auch vollenden zu können. Allein die Einkaufsfahrt schlägt mit 3-5 tausend N$ zu Buche, ohne etwas gekauft zu haben. Danken will ich sehr, sehr herzlich den Freunden, Mitstreitern und Sponsoren, die uns bereits jetzt so selbstlos unterstützen. Es sind sehr wenige, desto mehr sind wir ihnen zu größtem Dank verpflichtet.

Besonders erwähnen möchten wir Ingrid und Günther aus Hamburg, die durch ihre selbstlose Hilfe zu einer tragenden Säule des Projektes geworden sind, Wolfgang und seine Mannen aus Paderborn, die für uns so herrlich feiern können, Dieter aus Pliezhausen, der uns seit Januar tatkräftig unterstützt und die zwei Studenten „Kathastrophe“ und Tommy, die seit Ende vorigen Jahres ganz lieb 10 Euro überweisen. Stefan und Conny möchten wir danken, die 145 Pakete gesammelt haben und Ulrike, die mit 130 Kg hier angereist ist und, und, und… . Allen, Allen Danke im Namen der Kinder!!!

Wir wünschen Euch allen ein gutes und relativ sorgenfreies Jahr 2011! Bleibt gesund und versucht, Euch nicht allzu sehr von den Unbilden gefangen nehmen zu lassen. Die wunderbare Natur, aus der wir hervorgegangen und deren Bestandteil wir sind, hilft über manchen Tiefpunkt hinweg – eine gedeihende Pflanze, ein schutz-und hilfsbedürftiges Tier, ein lieber Mensch sind Werte, deren Wichtigkeit oft vergessen wird, weil sich so sehr viel am Gelde oder Scheinwelten bemißt. Täglich Etwas vom wahren Leben zum Besseren zu verhelfen, ist eine Aufgabe, die dem Dasein, das ansonsten wenig Sinn und wenig Selbstgefühl gibt, eine Berechtigung ermöglicht. Denn wozu sind wir geboren.

Den Jahreswechsel werden wir unter den herrlichen Sternen Namibias erleben, werden Rückschau und Vorschau halten und konstatieren, daß wir nichts anders machen würden und wenig falsch gemacht haben, auch wenn der Weg hierher dornenreich war und z.T. noch ist.
Wir grüßen alle von ganzem Herzen und danken, daß Ihr uns diese Arbeit hier ermöglicht.

Eure Gisela und Andreas aus Okanguati, weitab von allem.

Projekt Kaokoland e.V.

Spendenkonto: Berliner Volksbank Kontonummer : 1279174000 . Bankleitzahl: 100 900 00

(IBAN: DE 7310090000127917400 BIC: BEVODEBBXXX) )

Projekt Kaokoland e.V.

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